Was ist humanmedizinische Pigmentierung oder auch Paramedical-Tattoo genannt ?

17
Jul

Was ist humanmedizinische Pigmentierung oder auch Paramedical-Tattoo genannt ?

Die humanmedizinische Pigmentierung ist ein Permanent Make-up, das aus dem kosmetischen Permanent Make-up weiterentwickelt wurde. Es dient dem Beheben von ästhetische Beeinträchtigungen nach Erkrankungen etwa der Haut oder Behandlungen wie einer Chemotherapie mit schwerwiegenden Folgen für das Äußere der Betroffenen.

Paramedical: medizinische Pigmentierung ohne Chirurgie

Bis vor wenigen Jahren konnten optische Veränderungen nach einer solchen Beeinträchtigung ausschließlich mit einem chirurgischen Eingriff behoben werden. Inzwischen bietet die humanmedizinische Pigmentierung hierzu eine Alternative. Die Personen erlangen mit dieser besonderen Art der Pigmentierung ihr ehemals vorhandenes Erscheinungsbild wieder, was die Lebensqualität deutlich steigert. Es handelt sich um eine Mikro- bzw. Feinpigmentierung, die den Farbausgleich zwischen einer störenden Hautstelle und der natürlichen Hautfarbe schafft. Das innovative Verfahren ist bislang leider keine reguläre Kassenleistung (Stand: Sommer 2017), wird aber in einigen Fällen auf Antrag von den Kassen übernommen. Dazu zählt beispielsweise die Mikropigmentierung des Warzenvorhofs, wenn dem der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) zustimmt.

Anwendungsfälle der medizinischen Pigmentierung

Bei Haarausfall eignet sich das Paramedical Verfahren gut. Dieser kann nach einer Chemotherapie und ebenso nach Alopecia Erkrankungen auftreten. Die humanmedizinische Pigmentierung ermöglicht:

- Betonung des Lidrandes und Wimpernkranzbetonung
- Neugestaltung der Augenbrauen (pigmentierte Brauenhärchen)

Bei Hauterkrankungen erfolgt ein Farbtonausgleich im Lippen- und Mundbereich (sogenanntes Vitiligo), ebenso ist die Rekonvaleszenspigmentierung bei einer Lippen-Gaumen-Spalte möglich. Eine Indikation für die Augenbrauenneugestaltung ist die Neurodermitis, bei der typische seitliche Augenbrauenverluste auftreten (sogenanntes Hertogsches Zeichen). Ebenso ist das Paramedical Verfahren bei der Pigmentierung von Unfallnarben im Gesicht, auf der Brust und am sonstigen Körper hilfreich. Nach Brustvergößerungen und -verkleinerungen oder Brustkrebsoperationen gibt es viele störende Hautstellen, die eine humanmedizinische Pigmentierung an das übrige Hautbild anpassen kann. Dasselbe trifft bei Brandnarben nach Hauttransplantationen zu. Nach Herpesinfektionen kann mit der medizinischen Pigmentierung die Neugestaltung der Lippenform unterstützt werden, ebenso hilft sie nach einer verheilten Impetigo contagiosa (Schmierfechten-Erkrankung), welche die Lippenkonturen verwaschen wirken lässt.

Einsatz der humanmedizinischen Pigmentierung nach einer Chemotherapie und sonstigen Operationen

Gerade nach der Chemotherapie und nach einer Brustoperation klagen Betroffene stark über ihre nunmehr gestörte Optik. Hier kommt die Mamilienpigmentierung des Brustvorhofes infrage, welche die Brustwarze mit 3D-Effekt optisch nachbildet. Eine Reformierungspigmentierung überzeichnet Narben beispielsweise im Augenbrauen- und Lippenbereich. Auch die Hasenscharte (Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte) lässt sich optisch überdecken. Nach einer Chemotherapie verlieren die PatientInnen auch ihre Augenbrauen, dort kann die medizinische Pigmentierung feinste Härchen einzeichnen. Farbauffrischungen und Farbtonangleichungen in einem Narbengewebe richten sich nach dem eigenen Hautton. Die Mamillenrekonstruktion ist als medizinische Pigmentierung schon relativ bekannt, die meisten Kassen übernehmen die Kosten. In mehreren Behandlungen baut der Arzt mithilfe einer 3D-Schattierungstechnik die Mamille und den Areola-Komplex optisch wieder auf. Das Ergebnis wirkt äußerst natürlich. Die Farbe, die Poren und die Schatten werden der noch existierenden Mamille angepasst, es entsteht eine überzeugende Übereinstimmung. Auch bei Alopecia kommt die 3D-Technik bei der optischen Rekonstruktion von Härchen zum Einsatz.

Eva Schöning

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